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Vision

Verwendung unkonventioneller Materialien

Bernd Wehners künstlerische Arbeit zeichnet sich durch den innovativen Einsatz unkonventioneller Materialien aus. Er schafft zeitgenössische und abstrakte Skulpturen, die traditionelle Kunstbegriffe in Frage stellen. Er vermeidet bewusst konventionelle Materialien wie Marmor und Bronze und verwendet stattdessen Blei, Bitumen, Eisenoxid und Leim. Sogar Karton wird nicht nur als Leinwand verwendet, sondern als Baumaterial, ähnlich der Arte Povera-Bewegung, was Wehners bewusste Entscheidung widerspiegelt, leicht verfügbare Materialien abzulehnen.

Seine Materialwahl – Blei, Karton, Bitumen – verleiht seinen Werken eine Aura und innere Kraft, sodass nur minimale Eingriffe nötig sind, um als Kunstwerke zu gelten. Blei wird mit Künstlern wie Anselm Kiefer und Richard Serra in Verbindung gebracht, die die Möglichkeiten schwerer und giftiger Materialien erforschen, doch Wehner geht einen ganz eigenen Weg.

 

Wehners Werke sind auch Aussagen über Materialien. Er lehnt Glätte, Glattheit und Glamour ab, da sie seiner künstlerischen Vision zuwiderlaufen. Dennoch überlässt er die Oberfläche seiner Kunstwerke nicht dem Zufall. Der Rohheit und den Spuren früherer Nutzung widmet der Künstler seine akribische Aufmerksamkeit und erweckt seine Skulpturen zum Leben.

Durch die Wahl dieser unaufdringlichen und unkonventionellen Medien definiert Wehner die Grenzen der zeitgenössischen Kunst neu. Seine Arbeiten überschreiten das Gewöhnliche und laden den Betrachter ein, hinter die Oberfläche zu blicken und verborgene Dimensionen der Realität zu entdecken. Seine Werke spiegeln die tiefe Wahrheit wider, dass unsere einzige Sicherheit unsere Fähigkeit zur Veränderung ist, und fangen das empfindliche Gleichgewicht zwischen Chaos und Ordnung, Zerbrechlichkeit und Stärke ein.

Die Kunst von Bernd Wehner bringt die anhaltende menschliche Fähigkeit zur Erneuerung zum Ausdruck und verwandelt das Alltägliche kontinuierlich in das Außergewöhnliche.

Schwere entpuppt sich als Leichtigkeit

Mit großer Ernsthaftigkeit schneidet und klebt Wehner seine Skulpturen, die in seinem Freiburger Atelier entstehen. Mit Bleifolie aus der Schrottabteilung, die Spuren früherer Nutzung und Umwelteinflüsse aufweist, entsteht eine Art „Haut“; eine Rüstung, die den Karton schützt und unzugänglich macht.

Die ‚Schwere‘ täuscht den Betrachter. Sie ist nicht real. Ist das schon ein Hinweis, eine Kritik an der Welt, wie wir sie oberflächlich sehen? Eine umfassende Wahrnehmung würde die Leichtigkeit widerspiegeln, aber nicht die sprichwörtliche Leichtigkeit des Seins. Wir dürfen eher eine Andeutung vermuten, dass sich am Ende viel Schwere als Leichtgewicht entpuppt: in der Kunst und im Leben sowieso.

Kunst sichtbar machen

 

Überdimensionierte Bleisäulen mit Kartonkernen wirken archaisch. Sie wirken wie aus einer anderen Zeit stammend, wirken mächtig und ähneln Fossilien oder besser Bleiummantelungen urzeitlicher Pflanzen. Oder sind sie tatsächlich Artefakte früher Hominiden? Sollen sie vielleicht kultischen Zwecken dienen?

Was ist der Sinn? Der Künstler gibt keine Hinweise. Er überlässt uns unseren eigenen Gedanken und Anliegen. Wehner gelingt es, einen Nachgedanken in Gang zu setzen, der auf das Wesentliche verweist. Im Sinne von Paul Klees Definition, dass nicht das Sichtbare wiedergegeben wird, was könnte es mit Wehners Werk anderes geben, als Kunst sichtbar zu machen.

Wegweiser der modernen Kunst

Im 21. Jahrhundert stehen wir Wehners Werken nicht ganz bezugslos gegenüber. Der Künstler ist ein Kind des 20. Jahrhunderts und sein Werk bietet verschiedene Wegmarken. Denken wir an die Zeit des Kubismus, der die Entwicklung all dessen geprägt hat, was wir heute als modern kennen. Wehners Werke würden gut in einen Raum mit diesen Wegmarken der Moderne passen und auch gut 100 Jahre nach ihrer Entstehung ihre Richtigkeit und Wichtigkeit bestätigen. Die Zerlegung der Form als Prozess und die Komposition als Schöpfung, die sich der Glätte verweigert, bleibt rau und hält eine Balance zwischen Ablehnung und Anziehung.

Nicht von der Hand zu weisen ist auch eine Anspielung auf eine der großartigen Collagen von Kurt Schwitters.

Wehner gelingt es nie, den Betrachter mit einer rationalen, schwer zu analysierenden Redeweise zu fesseln. Die Überwältigung ist nachvollziehbar, das heißt, Wehners Werk packt.

Mit seinen fein ausbalancierten Konstruktionen und ästhetischen Materialien macht es Eindruck. Auf mehr wird bewusst und mit viel Konzentration verzichtet. „Masse durchzwängen“ ist nicht Wehners Sache. Er setzt auf die Kraft des Materials in genau der Form, die er gesucht und gefunden hat.

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